Fotoreise in Spanien

Im September 2017 machte ich mich nun zum dritten mal auf zu einem Urlaub in Andalusien. Natürlich mit dem Ziel, mit vielen schönen Fotos wieder nach Hause zu fliegen. Diesmal wollte ich nicht so viel Fotoausrüstung mitschleppen wie die beiden letzten Jahre. Also verzichtete ich auf eine lange schwere Brennweite und packte nur folgendes in den Fotorucksack:

Canon 7D Mark II, Canon 7D Mark I (Ersatzbody), Canon EF 100-400 Mark II 1:4.5-5.6 L, Canon Extender EF 1,4x Mark III, Sigma 17-50 1:2.8 EX DC OS HSM, Cokin Filtersatz, Sirui Reisestaiv T-005RX, 120 GB an CF und SD-Speicherkarten. Das Stativ und der Filtersatz wurden im Koffer verstaut und der Rest war mein Handgepäck im Flugzeug. Da Canon einen hervorragenden Job mit dem neuen 100-400 in Verbindung mit dem Canon 1,4x Konverter geleistet hat, machte es für mich keinen Sinn mehr mehr eine 600mm Brennweite mitzunehmen. Mit der so vorhandenen Brennweite von 570mm bin ich für die spanischen Gegebenheiten auch besten gerüstet gewesen.

Heidelibelle1 blogNach einem Tag Aklimatisierung am Strand von Novo Sancti Petri (Costa de la Luz), machte ich den ersten Ausflug in einem nahegelegenen Pinienwald. Dieser brachte mir schon vor drei Jahren einige nette Motive. Bei den immer noch hohen Temperaturen im September hängte ich mir nur die 7D M2 und das 100-400 um. Schon beim betreten des Waldes flitzen einige kleine Eidechsen vor mir weg und viele Libellen flogen sehr aktiv herum. Bei den Libellen handelte es sich aber überwiegend um frühe Heidelibellen. Bei den kleinen Eidechsen, die dort im Pinienwald herumflitzen handelte es sich um den Europäischen Fransenfinger (Acanthodactylus erythrurus). Auf dem Rückweg zum Hotel konnte ich von einigen Exemplaren noch gute Fotos machen. Doch auch in den Dünen zwischen Hotel und Atlantik trifft man diese schlanken Echsen überall an. Fotos vom Fransenfinger habe ich in der Fotogalerie unter der Kategorie "Amphibien und Reptilien" abgelegt. Überhaupt ist in den Dünen für den Naturinteressierten auch viel zu entdecken. Leider kenne ich die Namen von den wohl sehr robusten Pflanzen nicht die dort wachsen.

mittelmeermoewe blogAm nächsten Tag erhielt ich meinen Mietwagen und ich fuhr mit meiner Frau die Küste in südlicher Richtung einige Kilometer ab. Dort fanden wir hinter einer Steilklippe eine wunderschöne kleine Bucht, die sich perfekt für Langzeitaufnahmen zum Sonnenuntergang eignete, da einige Muschelkalkfelsen sich vor dem weissen Sandstrand aus dem Wasser erhoben. Ein perfekter Vordergrund für die später geplanten Sonnenuntergangsfotos. Zu diesem Zweck hatte ich auch das Reisestativ und die Cokinfilter eingepackt. Dazu später mehr am Ende des Artikels. Gar nicht weit entfernt von dieser traumhaften Bucht fliesst der Rio Roche in den Atlantik. So machten wir uns auf, den Flußverlauf etwas landeinwärts zu erkunden. Ging ganz prima da es neben dem Fluß einen schönen kleinen Trampelpfad gibt. Im Mündungsbereich sahen wir viele Mittelmeermöwen die dort reichlich Beute fanden. Auf dem Foto wird gerade das Küken eines Teichhuhns vertilgt.

Feuerlibelle blogJetzt ist es an der richtige Stellle um auch einmal auf die hervorragende Naheinstellgrenze vom Canon EF 100-400 Mark II 1:4.5-5.6 L einzugehen. Selbst mit angesetzten Konverter liegt diese bei nur 98cm und ermöglicht so extrem scharfe Nahaufnahmen von z.B. Libellen oder Schmetterlinge. Mit einem herkömmlichen Makroobjektiv müsste man an den Tieren ja deutlich näher heranrücken um sie Bildschirmfüllend abzulichten. Das löst oft den Fluchtreflex der Insekten aus und das Motiv ist leider weg. Mit der langen Brennweite bleiben somit Tier und Fotograf entspannt. Der Hintergrund wird aufgrund der langen Brennweite auch schön aufgelöst. So sehe ich zumindest keinen Grund mehr, bei einer weiteren Reise, mich zusätzlich noch mit einem Makroobjektiv zu belasten. Es sei denn, man hat es auf noch kleinere Insekten wie Käfer oder Fliegen abgesehen. Die Feuerlibelle wurde auch mit der Kombination vom 100-400 + Konverter aufgenommen. Die Libelle hatte ich auch am Rio Roche fotografiert.

Nach den ersten Tagen mit einigen guten Naturfotos folgte erst mal eine Phase mit Kulturvisiten. Weiße Dörfer wie Medina-Sidonia und Vejer de la Frontera. Dort wurde mit dem kleinen Mietwagen die immer noch zu engen und steilen Gassen abgefahren um erst mal einen Parkplatz zu finden. Dann das übliche Touristenprogramm mit Sehenswürdigkeiten abgespult. Das soll aber nicht negativ rüberkommen, die Orte sind wirklich wunderschön. Ich habe mit der Kamera auch sehr viele typisch Spanische Motive gefunden welche meine privaten Urlaubsfotos bereichern. Da diese Dörfern auf hohen Hügeln liegen, sollte man unbedingt den höchsten Punkt erklimmen um von dort die wunderschöne andalusische Landschaft bewundern zu können. Natürlich wurde auch immer in den Dörfern gespeist und Kaffee getrunken. Erstaunlich um wievieles geringer die Preise im Gegenteil zu den Hotelgebieten an der Costa de la Luz sind. Es gibt immer sehr gutes Essen mit stets freundlicher Bedienung.

flamingos blogDie "Kulturtage" waren nun vorbei und es ging dann weiter zu einem meiner Lieblingsgebieten zu den Reisfeldern von La Janda. Das ist ein riesiges künstliches Feuchtgebiet auf dem in großen Flächen Reis angebaut wird. Viele kleine Gräben und ein großer Kanal durchziehen die Flächen und locken viele Tiere an. Gerade für Vögel ist es im Spätsommer ein idealer Platz um vor dem übersetzen nach Afrika noch einmal richtig Kraft und Nahrung zu tanken. Daher ist es kein Wunder das man dort im späten Sommer auch Gruppen von Hunderte von Störchen sieht. Durch das Gebiet führen "Feldwege" wo man mit dem Auto hindurchfahren kann. Die Wege bestehen aber aus einer Aneinanderreihung von unzähligen Schlaglöchern. Einige sind so groß das man mit einen kompletten Reifen drin versinken kann. Für interessierte Naturfotografen kein Problem da man ohnehin alle paar Meter stoppt um irgendein Tier zu fotografieren. An den Außengebieten zu den Reisfeldern liegen große  Stierzuchten wo man diese beeindruckenden Tiere dann sicher auch noch vor die Linse bekommt. Ich selber konnte in diesem Jahr in La Jana folgende Tiere aufnehmen: Braune Sichler, Weißstörche, Löffler, Rallenreiher, Seidenreiher, Kuhrreiher, Silberreiher, Graureiher, Flamingos, Wiesenweihen, Rohrweihen, Zwergadler, Bussarde, Gänsegeier, Kormorane, Stelzenläufer, Schnepfen, Singvögel und Libellen.

strand blogÜberfällig waren nun nach den heißen Tagen mit Natur und Kultur, ein paar schöne Tage mit Erholung am schönen Strand der Playa de la Barossa. Schwimmen im Atlantik, sonnen, Strandbar, schlafen. Hatte diese Gegend ausgewählt weil von hier aus auch in weniger als einer Stunde mit dem Auto interessante Naturbeobachtungsplätze zu erreichen sind. Der schöne Strand mit schicken Hotels direkt hinter den Dünen spricht für sich und bietet alles was man überall auf der Welt in den großen Tourismusorten angeboten bekommt. In unserem Hotel hatten wir auch echtes Spaniengefühl. Da hier ca. 75% Spanier ihren Urlaub verbringen und die restlichen 25% überwiegend Deutsche und ein paar wenige Engländer waren. Das Wasser im Atlantik war noch richtig schön warm und die Wellen hatte eine tolle Höhe um sich hineinzuwerfen. Der Sand war Weiß und sehr fein, keine Scherben, Steine und scharfkantigen Muscheln. Dadurch, das der Strand fast 100m Breit und bestimmt 15km lang war, kam nie das Gefühl auf, das es dort von Touristen überlaufen ist.

santiPetri blogEinen wirklich schönen Ort besuchten wir Anfang der 2. Urlaubswoche. Sancti Petri, einst war dieses Fischerdorf ein Mekka für die Thunfischfischer und wurde in den 70er Jahren wieder aufgegeben. Es verfiel zu einem "Geisterdorf". Nachdem das spanische Militär das Gelände auch als Übungsplatz nutze, blieben nur noch Ruinen der Gebäude über. Vor 3 Jahren besuchte ich diesen Ort schon einmal und stellte jetzt eine positive Veränderung fest. Einige Gebäude wurden renoviert, gemütliche Restaurants wurden eröffnet und es ist auch schon wieder im Hafenbereich mehr Betrieb zu beobachten. Der Charme der wirklich fotogenen Ruinen wurde von den Künstlern entdeckt. So hat der andalusische Künstler Antoni Gabarre viele Außenwände der baufälligen Häusern mit seinen Gemälden verschönert. Diese zeigen die beeindruckende einstige Fülle und Vielfalt der Meerestiere dort. Das sieht wirklich sehr schön aus was der Künstler dort an die Wand gebracht hat. Dieses Fischerdorf ist bestimmt ein Eldorado für die Kollegen der Fotografen welche sich mit urbanen Motiven beschäftigen. Mich zog es in erster Linie wieder dorthin wegen der Tierfotografie. Während der Ebbe dort angekommen, bevölkerten schon wieder Tausende von Winkerkrabben das alte Hafenbecken. Möwen, Reiher und Lemikolen finden im durch die Ebbe freigelegten Hafenbereich reichlich Nahrung. Alle Fotos konnten diesmal aus nächster Nähe aufgenommen werden. Dutzende von zerstörten Fischerbooten verrotten langsam dort im Hafenbereich und präsentieren sich als hervorragende Motive und starker Kontrast zu den schönen Yachten und Segelbooten im neueren Hafenbereich. Ich hoffe das Sancti Petri noch lange diesen besonderen Charme behält und nicht komplett vom Tourismus überrollt wird.

surioroche blogNun war auch am Abend des nächsten Tage der Zeitpunkt gekommen um meine mitgebrachten Cokin-Filter und das Sirui Staiv zu benutzen. Es wurde auf das Abendessen im Hotel verzichtet um wieder zu der schönen Bucht in der Nähe des Rio Roche zu fahren. Sonnenuntergang war angesagt mit Felsen im Vordergrund und Langzeitbelichtung und verschiedenen Filterkombinationen. Stativ in niedrigster Position, Bildausschnitt festgelegt und los ging es. Gott sei Dank, zeigten sich an diesem Tag nur geringe Wolken am Himmel. So konnte der Himmel auch mit etwas Struktur gefüllt werden. Ist schon toll, wenn man mit kurzer Hose und Barfuß bei 27 Grad am Abend kniend im Atlantik seine Fotos machen kann. Das einsetzen von Filtern finde ich völlig legitim und besser als hinterher in Photoshop die Fotos zu "verschlimmbessern". Letztendlich verändert man nur die Lichtqualität bevor es in das Objektiv der Kamera eintritt. Natürlich machte ich auch "normale" Fotos ohne Filter, mir gefallen die Langzeitbelichtungen in denen Wasser zu weichen Nebel verschwimmt halt besser. Größere Foto von diesem schönen Abend gibt es auch in meiner Fotogalerie zu sehen.

Pfuhlschnefe blogDann folgte zwei Tage Urlaub vom Urlaub und wir fuhren zu einer sehr lieben Freundin nach Marbella, übernachteten bei der hervorragenden Naturfotografin und gingen gemeinsam auf Fototour. Erstaunlicherweise habe ich wohl das Glück, das ich immer wenn ich dort in Marbella bin, die besten Tierfotografien im Stadtgebiet an den Flußmündungen mache. War es vor zwei Jahren noch ein Purpurreiher welchen ich tagelang aus aller nächste Nähe unweit des Puerto Banos ablichten durfte, war es diesmal an der Mündung vom Guadalmansa eine Pfuhlschnepfe aus drei Metern Entfernung bei besten Abendlicht. Am nächsten morgen freute ich mich noch riesig über ein paar gelungene Aufnahmen vom Wiedehopf. In Spanien gilt er wohl als "Allerweltsvogel", ähnlich wie bei uns die Amsel. Ich hingegen freute mich riesig da wir hier in Norddeutschland ihn wohl erst nach Vollzug des Klimawandel zu sehen bekommen. Am Mittag hieß es dann wieder Abschied nehmen und die Rückreise zum Hotel anzutreten. Dann wurde nur noch die Hotelgegend mit Eidechsen, Geckos und Libellen fotografisch abgegrast und die letzten Tage am Atlantik genossen.

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